Cytomegalievirus in der Transplantationsmedizin
Der Immunstatus bestimmt den Verlauf der Infektion
Das humane Cytomegalievirus (CMV) ist ein Herpesvirus, das in Abhängigkeit von Alter, sozioökonomischem Status und Herkunftsland, in 50 % - 90 % der Erwachsenen nachgewiesen werden kann.1 Wie alle Herpesviren kann das CMV in einen Ruhezustand übergehen und damit eine lebenslange Persistenz im menschlichen Wirt etablieren.1 Unter bestimmten Bedingungen kann es zu einer Reaktivierung mit aktiver Vermehrung des Virus kommen.1 Ein gesundes Immunsystem kann die Infektion kontrollieren, sodass keine oder nur sehr milde Symptome auftreten.1 Bei Patient:innen nach Stammzelltransplantation (HSZT) oder solider Organtransplantation (SOT), die zur Prävention einer Abstoßung eine medikamentöse Immunsuppression erhalten, geht eine CMV-Infektion bzw. CMV-Reaktivierung mit erhöhter Morbidität und Mortalität einher.1
Therapie und Prävention
Aufgrund der möglichen Schwere einer CMV-Erkrankung bei Transplantatempfänger:innen werden antivirale Medikamente zur Prävention und Therapie der CMV-Infektion und -Erkrankung eingesetzt.2 Als Virostatika greifen die verfügbaren Wirkstoffe an verschiedenen Punkten im viralen Replikationszyklus an und hemmen die weitere Virusvermehrung.2-4
Herausforderungen bei der Therapie
Wenn das Virostatikum nicht mehr wirkt
Wenn die CMV-Infektion nicht oder nicht mehr auf die Therapie anspricht (Refraktärität) und die Viruslast steigt, könnte die Entwicklung von Resistenzen eine mögliche Ursache sein.6
Die Verwendung von Virostatika zur Prophylaxe und präemptiven Therapie konnte die CMV-assoziierte Morbidität und Mortalität senken. Gleichzeitig können diese Strategien aber auch zur Entwicklung von Resistenzen und Kreuzresistenzen führen, die ihre Anwendung einschränken.3,7,14
Bei präemptiver Therapie treten Resistenzen selten auf.14
Bei antiviraler Prophylaxe können Resistenzen auftreten, da Selektionsdruck ausgeübt wird.14
Verschiedene Veränderungen im viralen Genom können einer Resistenz zugrunde liegen.6 Am häufigsten sind UL97-, gefolgt von UL54-Mutationen.10
CMV-Gen
UL97
UL54
UL27
UL51 / UL56 / UL89
Funktion
Kinase
DNA-Polymerase
Regulierung Zellzyklus
Prozessierung und Verpackung
Resistenz gegen
Valganciclovir, Ganciclovir, Maribavir
Valganciclovir, Ganciclovir, Foscarnet, Cidofovir
Maribavir (geringgradig)
Letermovir
Verschiedene Risikofaktoren tragen zur Entstehung einer Refraktärität oder Resistenz bei HSZT und SOT bei. Besonders CMV-Hochrisikopatient:innen sind betroffen, d h.6
seropositive HSZT-Empfänger:innen
seronegative SOT-Empfänger:innen, die ein Organ eines/einer seropositiven Spender:in erhalten
Was sind die Folgen von refraktären/resistenten CMV-Infektionen?
Therapierefraktäre oder -resistente CMV-Infektionen gehen oft mit einem schlechten Outcome einher und sind häufig verbunden mit 3,6,22
einem erhöhten Risiko für eine CMV-Erkrankung,
einem prolongierten Verlauf,
Organdysfunktionen,
Arzneimitteltoxizitäten,
Rekurrenz
und einer erhöhten Sterblichkeit.
Therapielimitationen: Neutropenie und Nephrotoxizität
Therapiebedarf aufgrund von Toxizitäten
Aufgrund der therapielimitierenden Toxizitäten vieler Virostatika und dem Risiko einer Resistenzentwicklung sind neue und sichere Wirkstoffe gegen das CMV nötig.2,4
Mit Maribavir (LIVTENCITY®) gibt es seit 2022 die erste und einzige zugelassene orale Therapieoption für Erwachsene mit einer CMV-Infektion oder -Erkrankung nach Transplantation, die refraktär (mit oder ohne Resistenz) gegenüber früheren Therapien ist (einschließlich mit Ganciclovir, Valganciclovir, Cidofovir oder Foscarnet).13
Sicherheit von Maribavir
Maribavir hat eine gute orale Bioverfügbarkeit und wird nicht mit Myelosuppression oder Nephrotoxizität in Verbindung gebracht.13
In der klinischen Phase-III-Studie SOLSTICE waren unter Maribavir3:
Weiterführende Links
Referenzen
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LIVTENCITY® 200 mg Filmtabletten
▼ Dieses Arzneimittel unterliegt einer zusätzlichen Überwachung. Dies ermöglicht eine schnelle Identifizierung neuer Erkenntnisse über die Sicherheit. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden.
Wirkstoff: Maribavir
Zusammensetzung: Eine Filmtablette enthält 200 mg Maribavir.
Sonstige Bestandteile: Tablettenkern: Mikrokristalline Cellulose (E460(i)), Carboxymethylstärke-Natrium, Magnesiumstearat (E470b); Filmüberzug: Poly(vinylalkohol) (E1203), Macrogol (Polyethylenglykol, E1521), Titandioxid (E171), Talkum (E553b), Brillantblau FCF Aluminiumlack (EU) (E133)
Anwendungsgebiete: LIVTENCITY wird zur Behandlung einer Cytomegalievirus(CMV)-Infektion und/oder -Erkrankung angewendet, die refraktär ist (mit oder ohne Resistenz) gegenüber einer oder mehreren vorhergehenden Therapien, einschließlich mit Ganciclovir, Valganciclovir, Cidofovir oder Foscarnet, bei erwachsenen Patientinnen und Patienten, die sich einer hämatopoetischen Stammzelltransplantation (HSCT) oder einer Transplantation solider Organe (SOT) unterzogen haben. Offizielle Leitlinien zur fachgerechten Anwendung von antiviralen Wirkstoffen sollten beachtet werden.
Gegenanzeigen: Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile; gleichzeitige Anwendung mit Ganciclovir oder Valganciclovir
Nebenwirkungen: Sehr häufig: Geschmacksstörung, Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen, Müdigkeit; Häufig: Kopfschmerz, Schmerzen im Oberbauch, Appetitminderung, Arzneimittelkonzentration des Immunsuppressivums erhöht, Gewichtsabnahme
Verschreibungspflichtig.
Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch, Irland
Stand der Information: Februar 2023
C-APROM/DE/MARI/0031